Ein intelligentes Projekt für Bahn und Strom

Bahn- und Stromtrasse – Wo geht’s durch?

Die Bahnstrecke durch den Grimseltunnel verbindet Meiringen (BE) und Oberwald (VS). Zwischen Meiringen und Innertkirchen (BE) verkehrt heute die Meiringen-Innertkirchen-Bahn (MIB). Ab Innertkirchen beginnt die Neubaustrecke. In offener Linienführung führt die Trasse zum Nordportal des knapp 22 Kilometer langen Grimseltunnels. Im Tunnel überwindet die Bahn eine Steigung von 6 Prozent, bis sie die Haltestelle Guttannen erreicht. Die Haltestelle befindet sich in einer seitlich offenen Galerie. Durch den Tunnel geht es weiter bis zur unterirdischen Haltestelle Handeck. Sie liegt ca. 30 Meter tief. Nach der Handeck erreicht das Tunneltrasse auf 1’400 Metern über Meer den Kulminationspunkt. Das Südportal des Grimseltunnels liegt auf der Ostseite direkt beim Bahnhof Oberwald.

Die gesamte Streckenlänge zwischen Meiringen und Oberwald beträgt 27,6 Kilometer. Davon müssen nur 0,9 km im freien Gelände neu gebaut werden. Der Rest der Neubaustrecke wird unterirdisch geführt. Die Strecke ist einspurig geplant. Durch die Zwischenangriffe in Guttannen und der Handeck kann der Tunnel bautechnisch in drei Teile getrennt werden. Dies reduziert Bauzeit- und Kostenrisiken. Der Abschnitt vom Nordportal Innertkirchen bis Guttannen misst rund 6.6 Kilometer, jener von Guttannen bis Handeck gut 4,7 Kilometer. Das Teilstück zwischen Handeck und Südportal misst gut 10,2 Kilometer.

Die Linienführung des Grimseltunnels.

Meiringen liegt auf 595 Metern über Meer, Oberwald auf 1366 Metern. Die Adhäsionsbahn überwindet im Tunnel eine Höhendifferenz von 771 Metern. Mit dem Tunnel erhält die Gemeinde Guttannen einen ganzjährigen, vor Winter und Naturgefahren sicheren Bahnanschluss. Die Haltestelle Handeck erschliesst die Wasserkraftanlagen der Kraftwerke Oberhasli AG (KWO) und eröffnet Wandererinnen und Wanderern einen bequemen und direkten Zugang zu einer überwältigenden Bergwelt.

Das Höhenprofil der Strecke. (PDF)

Für die Hochspannungsleitung ist in der Tunnel-Anlage Platz für maximal vier 380-Kilovolt-Stränge à je drei Kabel geplant. Die Kabel werden so platziert, dass sie von Bahn und Passagieren abgeschirmt sind. In der Grafik unten ist eine der möglichen Varianten dargestellt. In Innertkirchen werden die Kabel direkt in die dortige Schaltanlage geführt. Im Raum Oberwald können die Kabel mit der Freileitung auf dem bestehenden Trasse verbunden werden. Die Anlagen der Kraftwerke Oberhasli AG werden über die eigenen Stollen angeschlossen.

Einer der möglichen Tunnel-Querschnitte mit Kabeltrassen.

Umwelt – Im Einklang mit der Natur

Der Grimseltunnel ist ein umweltschonendes Projekt. Zum einen kann die Hochspannungsleitung über den Pass abgebaut werden. Zum andern lässt sich das Ausbruchmaterial von 1.2 bis 1.7 Millionen Kubikmetern – je nach Variante – direkt beim Zwischenangriff Handeck in der Deponie Handeggli lagern. Diese Deponie wurde im Rahmen des kantonalen Richtplanverfahrens bereits rechtsverbindlich gesichert. Dadurch entfallen umweltbelastende Strassentransporte. Zudem ist das Ausbruchmaterial wiederverwendbar, zum Beispiel zur Betonproduktion für den Tunnel.

Hier bei Innertkirchen ist das Nordportal geplant.
Hier bei Innertkirchen ist das Nordportal geplant.

Kosten-Nutzen – Grosser Mehrwert für wenig Geld

Aufgrund der bekannten und günstigen Geologie im Grimselgebiet ist beim Bau des Tunnels nicht mit Überraschungen zu rechnen. Nach heutiger Planung belaufen sich die Investitionskosten für einen gemeinsamen Tunnel für Bahn und Hochspannungskabel auf knapp 600 Millionen Franken. Wie sich die Kosten auf die Grimselbahn AG und Swissgrid aufteilen, ist noch nicht geregelt.

Mit einem koordinierten Vorgehen lässt sich ein innovatives und verhältnismässig günstiges Projekt zur Bündelung von Infrastrukturen realisieren. Bahnseitig wird eine Finanzierung über den Bahninfrastrukturfonds angestrebt. Stromseitig erfolgt die Finanzierung über den Netznutzungsanteil des Strompreises.

Würden Tunnelvarianten unabhängig voneinander separat für die Bahn und separat für die Hochspannungsleitung realisiert, lägen die Kosten etwa einen Drittel höher, als wenn ein gemeinsamer Tunnel realisiert wird. Die Kosten einer 380-Kilovolt-Freileitung von Innertkirchen über den engen, steilen und hochalpinen Grimselpass nach Ulrichen sind vergleichsweise hoch.

In Oberwald kommt das Südportal zu liegen.
In Oberwald kommt das Südportal zu liegen.

Unterstützung – Breit getragen

Der Grimseltunnel geniesst lokal, regional und auch überregional breite Unterstützung. Mit Widerstand vor Ort ist nicht zu rechnen. Unterstützt wird das Projekt unter anderen durch eine regional verankerte Interessengemeinschaft, ein überregionales Unterstützerkomitee und das national breit abgestützte Grimseltunnel-Komitee. Zu den Unterstützern gehören rund 200 Persönlichkeiten aus Politik und Verbänden, so etwa Vertreterinnen und Vertreter von kantonalen Regierungen, Nationalrat und Ständerat, kantonalen Parlamenten sowie weitere Personen aus Politik, Wirtschaft, Verkehr und Tourismus. Für den Grimseltunnel engagieren sich zum Beispiel auch die Kantone Bern, Graubünden, Luzern, Nidwalden, Obwalden, Tessin, Uri  und Wallis sowie die Stiftung für Landschaftsschutz und die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete.

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In einer Galerie – die geplante Haltestelle Guttannen.

Zahlen und Fakten

Tunnellänge gesamt: 21,72 km
Fahrplanangebot: Stundentakt zwischen Meiringen und Oberwald, ½-Stundentakt zwischen Meiringen und Innertkirchen (verlängerbar bis Guttannen), ergibt ca. 14–15 Züge pro Tag und Richtung für die durchgehenden Züge.
Planungszeit: 4–5 Jahre
Bauzeit: 6–7 Jahre
Aushub: 1,2 – 1,7 Mio. m3 Deponievolumen, je nach Variante
Investitionskosten: Knapp 600 Mio. Franken für Tunnel-Anlage mit Bahn und Strom