Fragen und Antworten

Wozu braucht es eine Grimselbahn?

Eine Schmalspurbahnverbindung zwischen den beiden Regionen Oberland-Ost und dem Goms war schon oft Gegenstand von Projektideen. Damit können im Alpenhauptkamm die Bahnsysteme der Zentralbahn (zb) und der Matterhorn-Gotthard-Bahn (MGB) zusammengeschlossen werden. Heute besteht über den Grimselpass nur eine Strassenverbindung während den Sommermonaten. Diese Strasse ist sehr stark den Naturgefahren ausgesetzt und Schutzmassnahmen werden immer aufwendiger.

Entscheidend aus Sicht der Bahn ist der Bedürfnisnachweis. Deshalb wurde für diese Abklärungen die Universität St. Gallen als Fachinstanz beigezogen. Insgesamt kann für die Neubaustrecke etwa von 400 000 Passagieren pro Jahr ausgegangen werden. Dies entspricht einer Ausschöpfung des maximal möglichen Potenzials über das ganze Jahr betrachtet von ca. 35–40 % (je nach Fahrplanangebot), was für eine Neubaustrecke über die gesamte Angebotszeit als hoch betrachtet werden kann.

Wie gross sind die Bahnnetze, die miteinander verbunden werden?

Mit der Neubaustrecke werden die 304 km des westlichen und zentralen Bahnnetzes mit den 518 km des süd-östlichen Netzes miteinander verbunden. Alle wichtigen Tourismusorte der Schweizer Alpenregion werden mit der Bahn direkt untereinander verbunden und sind somit umweltschonend zu erreichen.

Welchen touristischen Nutzen hat die Grimselbahn?

Mit dieser Bahn wird das gesamte Meterspurnetz aufgewertet. Neue attraktive Verbindungen wie beispielsweise Luzern-Zermatt, lnterlaken-Davos/St.Moritz, Montreux-Andermatt, werden möglich. Neue Angebote, wie zum Beispiel der 2007 eingeweihte Lötschberg-Basistunnel oder das neue grosse Ferienresort in Andermatt, werden in das Konzept einbezogen und ergänzen dieses in idealer Weise.

Was ist die Grimselbahn AG?

Die Grimselbahn AG wurde am 17. Juni 2015 gegründet. Die AG besteht aus den KWO, den Gemeinden Andermatt, Innertkirchen, Obergoms und der IG Grimselbahn. Verwaltungsratspräsident ist Peter Teuscher. Zweck ist der Bau und Betrieb von Bahnen, insbesondere der Bau des Eisenbahntunnels zwischen Oberwald und Innertkirchen.

Wie kommen die Grimselbahninteressenten und die Swissgrid auf die Idee, hier zusammenzuspannen?

In der «Strategischen Netzplanung 2025» des nationalen Höchstspannungsnetzes ist die alpenquerende Leitung über die Grimsel ein Schlüsselelement. Die bestehende 220-kV-Leitung zwischen Innertkirchen und Ulrichen muss auf 380 kV ausgebaut werden und soll bis 2025 in Betrieb gehen. Swissgrid klärt immer unter Abwägung verschiedener Aspekte wie Technik, Wirtschaftlichkeit, Raumordnung und Umwelt ab, welche Technologie – Freileitung oder (Teil-)Verkabelung – am sinnvollsten ist. Da seit längerem die Idee besteht, das Schmalspurnetz zwischen dem Berner Oberland und dem Goms miteinander zu verbinden und diese Gebiete mit dem öffentlichen Verkehr wintersicher zu erschliessen, bietet sich die Gelegenheit, die Variante einer Kabelleitung in diesem Projekt integriert und vertieft zu prüfen. Damit kann einerseits eine Bündelung von Versorgungsinfrastrukturen erreicht werden und andererseits die wirtschaftlich günstigste Kabelvariante im Sachplanverfahren einer Freileitung gegenübergestellt werden.

Wozu braucht’s die 380-kV-Leitung?

Neue Grosskraftwerke in der Schweiz, der intensive Stromaustausch im internationalen Verbund sowie die Versorgung der nachgelagerten Verteilnetze sind die Haupttreiber des Netzausbaus in der Schweiz. Die alpenquerende Leitung über die Grimsel ist eines der Schlüsselelemente. Das Netzbauprogramm Mettlen – Ulrichen beinhaltet die zwei Einzelprojekte Mettlen – Innertkirchen und Innertkirchen – Ulrichen und besteht aus einer durchgängigen Netzverstärkung der bestehenden 87.1 km langen 220-kV-Leitung auf 380 kV. Der Planungshorizont von 10 Jahren bis ins Jahr 2025 bietet die Chance einer gemeinsamen Lösung von Strom und Bahn im Grimseltunnel.

Was sind denn konkret die Synergien der beiden Projekte?

Es ergeben sich Synergien im Bereich des Baus und Betriebs von Versorgungsinfrastrukturen sowie erhebliche Kosteneinsparungen, wenn die beiden Infrastrukturen gebündelt und zusammen in einen Tunnelschacht verlegt werden. Dank der Nutzung der Synergie mit der Grimselbahn im gleichen Stollen wäre diese Kabelvariante deutlich kostengünstiger zu realisieren als bei einer alleinigen Verkabelung von Swissgrid.

Was für Studien / Abklärungen wurden bisher vorgenommen?

Eine Interessengemeinschaft Grimselbahn (IG Grimselbahn), zusammengesetzt aus Vertretern der beiden Regionen, liess anfangs 2013 eine Machbarkeitsstudie ausarbeiten. Die Finanzierung der Studie erfolgte durch die Kantone Bern, Wallis, Uri und durch die Gemeinden im Einzugsgebiet des Projektes sowie durch einzelne Firmen. Die Ausarbeitung der Machbarkeitsstudie erfolgte in den Jahren 2013/14. Um die Investitionskosten genügend genau erfassen zu können, wurde die Machbarkeitsstudie in den relevanten Bereichen bis auf die Stufe Vorprojekt ausgearbeitet.

Die Machbarkeitsstudie wurde am 3. Dezember 2014 den beteiligten Kantonen abgegeben. Gegen den Schluss der Machbarkeitsstudie zeigte sich im Rahmen der Koordination der verschiedenen Infrastrukturen, dass Swissgrid Bedarf für eine Höchstspannungs-Kabelverbindung über den Grimselpass hat. Überzeugt vom Synergiegewinn, beschlossen beide Gesellschaften, ein gemeinsames Projekt auszuarbeiten. Diese neue Machbarkeitsstudie für eine Bahnverbindung Meiringen – Oberwald mit einer Höchstspannungs-Kabelanlage wurde am 1. Juni 2015 abgeschlossen.

Was kostet das Projekt?

Es handelt sich um Schätzungen, die noch +/- 30% abweichen können: die Realisierung der gesamten Anlage ist mit 580 Mio. CHF veranschlagt. Würde der Bahntunnel alleine realisiert, wäre mit 430 Mio. CHF zu rechnen. Der Kabelstollen alleine würde 490 Mio. CHF kosten. Die gleichzeitige und gemeinsame Realisierung beider Projekte ist wesentlich günstiger, als die einzelnen Projekte addiert. Es findet keine Quersubventionierung statt. Die Kosten werden nach dem Verursacherprinzip aufgeteilt. Die Aufteilung erfolgt streng nach dem Verursacherprinzip. Kosten die nicht direkt zugeteilt werden können, werden hälftig aufgeteilt.

Wie hoch wären die Kosten einer Freileitung über die Grimsel?

Die Kosten einer 380-kV-Freileitung von Innertkirchen bis Ulrichen über die Grimsel werden auf 100 – 150 Mio. CHF geschätzt.

Finanziert der Stromkonsument mit den Mehrkosten für das Kabel gegenüber der Freileitung die Grimselbahn mit?

Nein. Die Realisierungskosten werden in „Bahntunnel“ und „Kabelkosten“ aufgeteilt. Die Verkabelung der notwendigen Übertragungsleitung ist mit ca. 490 Mio. CHF veranschlagt. Fällt der Entscheid aufgrund des Bewertungsschemas zugunsten einer Verkabelung der Grimselleitung, müssten diese Kosten am Ende vergütet werden.

Warum soll es ausgerechnet bei der Grimsel eine Verkabelung brauchen (und an anderen Orten nicht)?

Die Freileitung auf der Grimsel ist relativ stark gegenüber Naturgefahren wie Hangrutschungen und Lawinen exponiert. Dank günstigen geologischen Verhältnisse lässt sich der Infrastrukturstollen für Bahn und Strom im Vergleich mit anderen Gebieten einfach und mit geringen Risiken realisieren. Gleichzeitig könnte das Schutzgebiet von nationaler Bedeutung im Gebiet Handegg – Grimselpass von der bestehenden Freileitung entlastet werden. Auch die Zeit spielt eine wichtige Rolle: zur sicheren Stromversorgung braucht es den Ausbau der Übertragungsleitungen über die Grimsel. Bei der Verkabelung und dem gleichzeitigen Rückbau der bestehenden Leitungen kann man mit der lokalen Unterstützung für das Projekt rechnen.

Wie geht es weiter? Ist das Projekt überhaupt noch rechtzeitig realisierbar?

Die Machbarkeit des gemeinsamen Projekts ist durch eine Machbarkeitsstudie nachgewiesen. Als weitere Schritte muss der Verwaltungsrat  von Swissgrid das Vorgehen für die Realisierung des Projektes genehmigen und es muss die Finanzierungsfrage des Projekts insgesamt geklärt werden. Es ist geplant, dass die Ausschreibung für die Vergabe des Generalplanermandats für Projektierung und Realisierung (als Option) im Frühjahr 2016 vorgenommen wird. Das Ziel einer Inbetriebnahme bis 2025 (Vorgabe Strategisches Netz 2025) inkl. Verkabelung ist noch realistisch.